Per Sänfte durch die Session

VON JANINA TERHEYDEN, 07.01.02, 15:17h

Bei der Proklamation im Heiligenhauser Pfarrsaal wurde der „dichtende“ Alt-Prinz Lothar II. vom „singenden“ Jürgen I. abgelöst.

Heiligenhaus – Endlich ist es soweit: Als Jürgen I. und sein kleiner Rat in den rot-weiss geschmückten Pfarrsaal einmarschieren, kann sich das närrische Volk vor Begeisterung nicht mehr auf den Stühlen halten. Bevor es jedoch richtig losgeht, wird aber erst einmal der alte Prinz Lothar II. verabschiedet. Und da dessen Liebe zu den „decke Bunne“ bekannt ist, bekommt er zum Abschied eine Dose davon.

Nach der Zepterübergabe hält Jürgen I. seine Dankesrede – deren Kürze laut Sitzungsleiter Bernd Hallerbach bewies, dass er „ein sehr guter Prinz“ ist. Zur Ehre des neuen Regenten führten dann die Fünkchen neben dem Pippi Langstrumpf-Tanz auch den traditionellen Hochzeitstanz auf.

Jürgen Wunderlich ist nicht nur der neue Regent des jecken Völkchens, sondern auch „die Stimme von Heiligenhaus“. Schon im Alter von fünf Jahren entzückte er sein Publikum mit Heintje-Schlagern – sein Lohn war ein Lolli pro Lied. Mit 16 Jahren trat er dem MGV Sängerchor Heiligenhaus bei, der in diesem Jahr sein 100 jähriges Bestehen feiert. Daher steht die Session unter dem Motto: „100 Jahre Sängerchor – use Prinz singt do Tenor“.

Seine musikalische Verbundenheit zum Karneval beweist Jürgen auch dadurch, dass er seit 15 Jahren der Sänger des HKF ist. Sein Prinzenmotto „Eimol Prinz ze sinn…wat kann et Schöneres jevve, Musik un singe is ming Levve” – spiegelte sich auch in den legendären 11 närrischen Geboten wieder.

So ordnete er an, dass bei zukünftigen Hochzeiten von Männern der MGV das Lied „Nimm dir keine Frau, mein Sohn“ singt. Außerdem soll das wöchentliche Trainingslager der Sänger aus Rotweintrinken bestehen, damit sie für die Jubiläumstour in die Toscana gerüstet sind.

Doch der Prinz kümmert sich auch um das Wohlergehen der Allgemeinheit. Als Wink mit dem Zaunpfahl in die Richtung des Bürgermeisters ordnete er an, dass die nächste Orientierungsfahrt des MSC auf dem neuen Kreisverkehr durchzuführen sei. Das Wohl seines Volkes hat er auch bei dem Gebot im Sinne, dass das Gebäude der Raiffeisenbank in Zukunft morgens als Bäckerei, nachmittags als Bank und abends als Kneipe genutzt wird. Bei soviel Großherzigkeit ist wohl eine Prise Egoismus erlaubt – während seiner Amtszeit soll der Prinzenbus durch eine Sänfte ersetzt werden.

Glücklich verheiratet

Im richtigen Leben ist der „Hillijenhuser Jung“ glücklich mit seiner Frau Heike verheiratet, hat zwei Söhne und arbeitet als kaufmännischer Angestellter bei der Deutz AG in Köln. Wenn er nicht gerade auf der Karnevalsbühne steht oder bei anderen Veranstaltungen musikalisch mitwirkt, fiebert er mit Schumi oder Borussia Mönchengladbach neuen Siegen entgegen.

Außer seiner singenden Tollität konnten aber noch viele andere karnevalistischen Künstler ihr Können unter Beweis stellen. Unter anderem sorgten die Musikalischen Clowns, die Kölner Karnvalsgruppe „Blom un Blömcher“ und der Musikcorps Kölner Husaren Grün-Gelb für eine tolle Stimmung. Natürlich begeisterte auch die Tanzgarde „Rot-Weiss Heiligenhaus“ das jecke Volk, das von vormittags an bis in die Abendstunden ausgelassen seinen neuen Prinz feierte.
(KStA)

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